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Mietenexplosion

  • Monika Schmid-Balzert, München
  • 23.07.2019

Das Mieten-Problem – eigentlich gar nicht so schlimm? Diesen Eindruck vermitteln in letzter Zeit vermehrt Medienberichte, Äußerungen in der Politik oder Analysen von den gerade eben veröffentlichten Zahlen des Immobilienverbands Deutschland Süd, bei denen auch Rückgänge bei den Mieten in Bayern vermeldet wurden. „Daraus zu schlussfolgern, alles sei nicht so tragisch, ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen“, sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des Landesverbands Bayern des DMB.

Denn in Bayerns Ballungsräumen haben die Menschen nach wie vor ein großes Problem. Die Mieten in der Hauptstadt des Wohn-Wahnsinns, München, sind nach Zahlen des IVD so hoch wie noch nie. Nur der Anstieg der Mieten ist im Vergleich zu den Vorjahren etwas abgeflaut. Die Mieten in Deutschland allgemein mögen nur etwas mehr als die Verbraucherpreise steigen (zwischen 2015 und 2018 4,1 Prozent zu 3,8 Prozent), für die Mieter in den Ballungsräumen und Universitätsstädten sieht die Lage jedoch anders aus. Hier gab es in den letzten 10 Jahren Steigerungen von bis zu 61 Prozent. Doch die Löhne stiegen in der gleichen Zeit nur um einen Bruchteil. „Wie also sollen die Bürgerinnen und Bürger in den Ballungsräumen und Universitätsstädten diese Steigerungen auffangen? Vor allem Rentnerinnen und Rentner können aus gesundheitlichen oder Altersgründen keinen Nebenjob mehr ausüben - und dann?“, so Schmid-Balzert.

Die Geschäftsführerin des Landesverbands Bayern des DMB verweist auf Menschen, die eine Familie gründen wollen oder schon gegründet haben und zu viert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung wohnen müssen, weil sie nicht mehr als 1.300,- Euro Miete bezahlen können. Oder auf die Rentnerin, die eine Eigenbedarfskündigung bekommt und dann mit 1.000,-€ Rente in ein Appartement für 700,- Euro umziehen muss. „In letzter Zeit wird versucht, das Mietproblem zu verharmlosen. Es ist aber ein weiterhin großes Problem, das zur sozialen Spaltung beiträgt“, so Schmid-Balzert. Die zu klärende Frage sei: „In welchen Städten wollen wir wohnen: in Städten für alle oder nur noch in Städten für Reiche?“

Möglichkeiten, um gegenzusteuern sind aus ihrer Sicht: Zunächst die Einführung eines Mieten-Deckels, um für eine Verschnaufpause zu sorgen. „Und während dieser Mieten-Deckel greift, muss wie in Österreich - Paradebeispiel Wien - ein Gesetz erlassen werden, wonach bei einem Bauvorhaben 66 Prozent geförderter Wohnungsbau entstehen muss, mit einem gedeckelten Mietpreis.“ Steuerlich sei unter anderem zu regeln, dass die günstige Anmietung von Werkswohnungen dem Mieter nicht als geldwerter Vorteil angerechnet werde. Außerdem müsse die Vererbung von Wohnblöcken im Familienbesitz mit bisher günstigen Mieten auf der Basis der erzielten Mieten, nicht auf der Basis der möglicherweise zu erzielenden Mieten, erfolgen. „Sodass die Erben nicht zum Verkauf an Investoren gezwungen werden“, so Schmid-Balzert. „In Kombination mit ausreichend Neubau – nicht im Luxussegment - wären wir auf dem richtigen Weg, wieder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten“, sagt sie. „Wohnen ist ein Grundbedürfnis - mehr als nur ein Dach über dem Kopf! Dafür gilt es weiter zu kämpfen, auch wenn manche bereits versuchen, das Problem als ‚Mär‘ abzutun.“